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Medical Professionals for Human Rights in Iran – Austria
Komitee zur Verteidigung der Menschenrechte im Iran, Österreich.
Ehrenmord an Romina darf nicht von der Zivilgesellschaft toleriert werden
Zeit für Gleichstellungen der Frauen in der iranischen Verfassung
Tue 2 06 2020

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Vor kurzem wurde die 14 jährige Romina von ihrem Vater zuhause mit einer Sichel ermordet.
Romina hatte trotz ihres jugendlichen Alters beschlossen mit einem Mann zusammenzuziehen. Der Vater schaltete die Sicherheitsorgane ein, Romina wurde festgenommen, mit ihrem Freund einem Richter vorgeführt. Der Richter beschloss Romina an das Elternhaus zurückzuschicken. Einer Verlobung der beiden wurde vom Rominas Vater, der gemäß paternalistischen Gesetzten seine Zustimmung geben muss, aus unerklärlichen Gründen abgelehnt. Romina bat den Richter, nicht an das Elternhaus zurückgeschickt zu werden, da sie ihre Misshandlung, sogar Tötung durch den Vater befürchtete. Dies wurde vom Richter abgelehnt und der minderjährigen Romina keinen Schutz gewährt.
Romina wurde in ihrem Elternhaus bestialisch von ihrem leiblichen Vater mit einer Sichel enthauptet. Ein Sachverständiger stellte Verständnis suggerierend fest, dass Romina schon nach den ersten zwei Sichelverletzungen schon getötet worden war, als ein Zeichen dafür, dass der Täter ‚gütiger Weise‘ nicht die Absicht gehabt hätte, das Opfer lange leiden zu lassen.
Der Gipfel des Zynismus wurde jedoch erreicht, als der Vater und die Familie eine Trauerzeremonie ankündigten; auf der Anzeige war statt Fotos von Romina eine Rose abgebildet und Männer der Familie waren als einladende Personen angeführt. Lediglich war im Schlusssatz war ein Hinweis, dass auch Frauen an der Trauerzeremonie teilnehmen können.
Mit dieser Situation konfrontiert, versuchten die regimenahen Medien, die Öffentlichkeit mit dem Hinweis auf ein Gesetz zur Vermeidung der Gewalt an Frauen und zum Schutz ihrer Würde, das seit 250 Tagen in Bearbeitung und Begutachtung sei, zu beschwichtigen. Eine Verurteilung der abscheulichen Tat wurde jedoch nirgendwo zum Ausdruck gebracht.
Dieser Mord trägt die Handschrift einer rückwärtsgewandten, patriarchalischen Gesellschaft, die ihre „Grausamkeit“ in den 40-jährigen Gewaltherrschaft insbesondere gegen die Frauen in der Islamischen Republik Iran manifestiert. Ein Vater und Großvater haben quasi das Recht, das eigene Kind oder das Enkelkind umzubringen, ohne ernsthafte Konsequenzen befürchten zu müssen. Von „Qisas“, das heißt von der im Islamischen Recht vorgesehenen Todesstrafe für Mörder, sind sie in diesen Fällen ausgenommen. Ein Gesetz, das an Barbarei denken lässt.
Dieser Mord zeigt, wie die islamische Regierung eine Atmosphäre geschaffen hat, in der die Methoden von „Daesh“ und „Taiban“ gedeihen und sogar in die Familien transportiert werden.
Dieser Mord zeigt auch, dass die Justiz keinen Schutz für die Frauen und Mädchen gewährt. Romina hat den Richter angefleht, sie nicht an den brutalen Vater auszuliefern. Das patriarchale, rückständige System des Justizapparats basierend auf Jahrhunderte alten, anachronistischen islamischen Vorschriften lässt aber nicht zu, gegen den Willen des Familienoberhauptes den Willen der Tochter zu berücksichtigen und sie zu beschützen.
Romina ist nicht die einzige junge (minderjährige) Frau, die im Iran Opfer eines Ehrenmordes wird. In diesem Fall verfehlte die Justiz in einem eklatanten Maße wissentlich, sie rechtzeitig zu beschützen.
Dieser Mord zeigt uns aber auch, dass jenseits der islamischen Herrschaft die gesellschaftlichen Normen zu überdenken sind. Von der islamischen Regierung, deren größte Opfergruppe seit Anbeginn die Frauen sind, ist ohnehin nicht viel zu erwarten.
Allen Diskriminierungen zu Trotz haben iranische Frauen sich nicht total unterkriegen lassen.
Sie haben sich das Recht zur Ausbildung erkämpft und besetzen trotz zahlreichen Hürden den meisten Anteil an Studierenden an iranischen Universitäten. Allerdings haben im Berufsleben weniger als 10% von ihnen eine Führungsposition, noch weniger als Abgeordnete im Parlament und kaum in Ministerposten erlangen können. Die entscheidenden Hindernisse auf dem Weg der Frauen stellen die nicht gewählten Organe wie „Velayate Faghih“ (oberster geistlicher Führer), und der Wächterrat, die ausschließlich aus Männern bestehen, dar. Mit dieser Machtkonstellation bleibt den Weg zur Gleichstellung der Frauen in der Gesellschaft versperrt.
Wir appellieren daher an die Zivilgesellschaft mit den veralteten Tabus der zwischengeschlechtlichen Beziehungen zu brechen. Es ist keine Schande, wenn unverheiratete Personen, egal welchen Geschlechtes, miteinander private Kontakte pflegen.
Den brutalen Tod von Romina nehmen wir als einen Anlass, unserer Forderung nach Gleichstellung der Frauen und Schutz vor Gewalt Nachdruck zu verleihen. Eine Verankerung der Gleichstellung von Frauen in der Verfassung und deren gesetzlich gewährleisteter Schutz vor Gewalt ist das Gebot der Stunde.


Komitee zur Verteidigung der Menschenrechte im Iran/Österreich
Medical Professionals for Human Rights in Iran – Austria

Vienna, 02.06.2020

Prof. Dr. Siroos Mirzaei
Medical Professionals for Human Rights
in Iran – Austria

Dr. Behrouz Bayat
Komitee zur Verteidigung der Menschenrechte im Iran-Österreich


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Medical Professionals for Human Rights in Iran – Austria Vorsitzender: Med.-Rat Dr. Ali Gouché
Sprecher: Prof. Dr. Siroos Mirzaei
Getreidemarkt 11 / re. Stiege /23a
1060 Wien, , Austria
Kontakt: Email:presse@iranmed.at
Tel.: +43 664 3816666

Komitee zur Verteidigung der Menschenrechte im Iran, Österreich Dr. Behrooz Bayat

http://www.human-rights-iran.org
Email: info@human-rights-iran.org




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